Hörstörungen Bei Kindern
Hören bei Neugeborenen, Säuglingen, Vorschulkindern und Schulkindern

Auffälligkeiten, Entwicklungsstörungen und Erkrankungen im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich insbesondere beim Hören frühzeitig festzustellen und rechtzeitig und erfolgreich zu behandeln ist sehr wichtig für die normale Entwicklung der Kinder.

Hören bei Neugeborenen und Säuglingen

Eine Schwerhörigkeit bei der Geburt oder innerhalb der ersten beiden Lebensjahre gefährdet die gesamte Entwicklung eines Kindes. Wenn in dieser Zeit – vor allem in den ersten sechs Monaten – keine Schallreize im Gehirn ankommen, verkümmern die für das Hören und Sprechen zuständigen Strukturen. Die Kinder können dann die Sprache nicht erlernen, was weitreichende Folgen für Intelligenz und Persönlichkeit haben kann.

Schwerhörigkeit frühzeitig erkennen – das ist möglich

Nur ein gesundes Ohr kann Schallwellen aussenden: Das Innenohr reagiert mit otoakustischen Emissionen auf Klickgeräusche, wenn es gesund ist. Diese sehr leisen Töne werden von einem hochempfindlichen Messgerät aufgezeichnet. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und lässt sich im Schlaf durchführen. Sie ist für das Baby vollkommen schmerzfrei.

Universelles Neugeborenen Hörscreening – Schleswig-Holstein

Sollten wir Auffälligkeiten in der Hördiagnostik eines Neugeborenen oder Säuglings bei uns entdecken, werden wir Ihr Kind im Rahmen des Hörscreenings Schleswig-Holstein rasch weiterleiten. Mit der Hirnstammaudiometrie BERA können dann z.B. Nervenreaktionen überprüft werden, die bei der Verarbeitung von Hörreizen im Gehirn stattfinden. Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Hörstörung. Bei einer frühzeitigen Therapie bestehen gute Chancen, dass die weitere Entwicklung normal verläuft.

Da wir uns als HNO-Ärzte der weiteren Forschung und Behandlung von kindlichen Hörstörungen verpflichtet fühlen, sind wir seit September 2014 Mitglied im Deutschen Zentralregister für kindliche Hörstörungen (DZH) der Charité Berlin.

Hören bei Vorschulkindern

Gutes Hören ist Voraussetzung für Sprechen, Lesen und Schreiben …

Ca. 15 bis 20 % aller Kinder haben zum Zeitpunkt der Einschulung behandlungsbedürftige Sprachauffälligkeiten – mit zunehmender Tendenz.

Wir empfehlen bei Kindern in der Vorschule vorsorglich eine aussagefähige Untersuchung des Gehörs, auch wenn der Verdacht auf eine Wahrnehmungs-, Sprachverarbeitungs- oder Aufmerksamkeitsstörung besteht. Diese Symptome haben mit Schwerhörigkeit nichts zu tun. Oft sind die Ohren gesund, die betroffenen Kinder können gut hören.

In einem dreiteiligen Test überprüfen wir die auditive Verarbeitung und Wahrnehmung der Kinder und bei Bedarf auch die phonologische Bewusstheit.

Hörstörungen können sich zeigen:

  • wenn Ihr Kind auf Ansprache häufig nicht reagiert oder sich verhört
  • wenn Ihr Kind laut Fernsehen sieht oder laut CD´s hört
  • wenn Ihr Kind häufig nachfragt und auf den Mund des Sprechenden sieht
  • wenn es einzelne Stimmen aus einer Geräuschkulisse, z.B. beim Kindergeburtstag nicht heraushören kann
  • wenn Kinder Schallquellen akustisch nicht einordnen können, z.B. Zurufe im Haus wie „Essen kommen“
  • wenn Kinder ähnlich klingende Worte falsch verstehen
  • wenn Kinder Mühe haben, in Gedichten ähnliche Worte (Reimworte) zu erkennen
  • wenn die Kinder Schwierigkeiten haben, in Liedern und Sprachversen den Rhythmus zu klatschen
  • wenn Kinder nicht gleichzeitig zuhören und etwas anderes tun können
  • wenn Kinder Gefühle, die sich stimmlich ausdrücken, wie Drohung oder Ärger, nicht ausreichend wahrnehmen

Hören bei Schulkindern

Hörprobleme gefährden die schulische Entwicklung

Bei Kindern im Alter von fünf bis 14 Jahren untersuchen wir die Hörverarbeitung, Hörwahrnehmung und bei Bedarf die phonologische Bewusstheit, wenn Störungen der Sprachentwicklung vorliegen und die schulische Entwicklung gefährdet sein könnte. Wo es sinnvoll und erforderlich ist, richtet sich unser Blick auch auf die psychischen Aspekte einer Erkrankung. Denn beides ist untrennbar miteinander verbunden.

Häufig hängen Hörprobleme mit der auditiven Selektion oder dem Hörgedächtnis zusammen.

Wir überprüfen die auditive Selektion und das Hörgedächtnis bei Schulkindern, wenn Probleme auftreten wie:

  • Sprachentwicklungsverzögerungen
  • Probleme beim Erlernen des Lesens und Schreibens
  • Verdacht auf ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS)
  • oder allgemeine Aufmerksamkeitsprobleme in der Schule

Je nach Ergebnis kommt die Überprüfung der phonologischen Bewusstheit hinzu. Damit können wir sprachanalytische und artikulatorische Fähigkeiten testen, die eine wesentliche Grundlage für das Lesen und Schreiben darstellen.

Das gilt auch für Vorschulkinder. Wenn sich Sprachentwicklungsstörungen abzeichnen, ist eine Untersuchung schon ab 5 Jahren möglich. Die Therapie richtet sich nach dem Befund.

Wie läuft die Untersuchung bei Kindern ab?

Wir unterteilen die Untersuchungen von Vorschulkindern und Schulkindern in drei Abschnitte:

  • Zunächst werden Ohr und Innenohr gründlich untersucht.
  • Anschließend überprüfen wir, ob Störungen in der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung vorliegen.
  • Bei Bedarf führen wir spezifische Tests durch, die je nach Klassenstufe variieren, um die phonologische Bewusstheit einschätzen können.

Wir nehmen uns die Zeit, die Ihr Kind braucht …

Im Normalfall sollten Sie für die ersten beiden Teile ca. 90 Minuten einplanen, für den 3. Teil etwa 45 Minuten. Um aussagekräftige Ergebnisse zu bekommen, müssen die Kinder sich stark konzentrieren. Wir empfehlen deshalb, die Untersuchungen vormittags durchzuführen, mit zwei aufeinanderfolgenden Terminen.

Was Sie beachten sollten …

  • Wenn Ihr Kind Medikamente wie z. B. Methylphenidat (Ritalin) bekommt, sollte es sie am Untersuchungstag auch einnehmen.
  • Wenn Ihr Kind stärker erkältet ist, kann das erheblichen Einfluss auf die Ohren nehmen (Mittelohrergüsse, Tubenfunktionsstörungen). Falls Sie schon einen Termin für die Untersuchung haben sollten, rufen Sie in diesem Falle bitte vorher bei uns an.

Als Befund erhalten Sie einen mehrseitigen erklärenden Bericht. Wenn der Test wiederholt werden muss, weil sich Ihr Kind währenddessen nicht ausreichend konzentrieren konnte, berechnen wir das nicht.

Die Testanforderungen des 2. und 3. Teils sind altersabhängig und nehmen mit dem Alter der Kinder im Umfang zu. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden die Kosten für diese Tests nicht übernommen.