Scharfes Essen auf dem Teller – und plötzlich läuft die Nase. Viele kennen dieses Phänomen: Kaum wird die Suppe heißer, die Sauce würziger oder die Mahlzeit schärfer, beginnt die Nase zu tropfen.
Was manchmal wie eine kuriose Begleiterscheinung des Essens wirkt, hat tatsächlich einen medizinischen Namen: gustatorische Rhinitis.
Dabei handelt es sich um eine Form der nicht allergischen Rhinitis. Die Beschwerden treten typischerweise während oder kurz nach dem Essen auf und zeigen sich vor allem durch eine wässrig laufende Nase. Besonders häufig werden heiße oder scharf gewürzte Speisen als Auslöser beschrieben.
Doch warum reagiert ausgerechnet die Nase auf das Essen?

Was ist eine gustatorische Rhinitis?
Der Begriff „gustatorisch“ bezieht sich auf den Geschmack beziehungsweise auf Reize, die beim Essen entstehen. „Rhinitis“ bezeichnet Beschwerden der Nasenschleimhaut.
Bei einer gustatorischen Rhinitis kommt es nach dem Verzehr bestimmter Speisen zu einer verstärkten wässrigen Sekretion aus der Nase. Die Beschwerden beginnen häufig schon innerhalb weniger Minuten nach dem Essen.
Wichtig dabei: Eine gustatorische Rhinitis gehört zu den nicht allergischen Formen der Rhinitis. Sie wird also nicht durch den klassischen allergischen Mechanismus ausgelöst, wie er beispielsweise bei einer Pollenallergie vorkommt.
Genau das macht das Phänomen für viele Betroffene zunächst überraschend: Die Nase läuft – aber eine Allergie muss nicht die Ursache sein.
Warum läuft die Nase bei scharfem Essen?
Die Erklärung liegt wahrscheinlich vor allem in der Reaktion unseres Nervensystems.
Bestimmte Bestandteile scharfer Speisen können sensible Nervenfasern in den Schleimhäuten stimulieren. Eine besondere Rolle spielt dabei unter anderem Capsaicin – der Stoff, der beispielsweise Chilischoten ihre typische Schärfe verleiht.
Durch diese Reizung werden nervale Reflexe ausgelöst. Vereinfacht gesagt erhält die Nasenschleimhaut dadurch das Signal, mehr Flüssigkeit zu produzieren. Das Ergebnis ist die typische wässrig laufende Nase. An diesem Prozess sind unter anderem sensible Nervenendigungen und parasympathische Reflexmechanismen beteiligt.
Die Nase reagiert also nicht zufällig: Sie beantwortet einen Reiz beim Essen mit einer verstärkten Sekretproduktion.

Welche Lebensmittel können eine gustatorische Rhinitis auslösen?
Besonders bekannt ist die Reaktion auf scharfe und heiße Speisen. Chili und andere stark gewürzte Lebensmittel gehören zu den typischen Auslösern. Allerdings muss nicht jeder Mensch auf dieselben Lebensmittel reagieren.
Wie deutlich die Reaktion ausfällt, kann ebenfalls sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen bemerken lediglich ein leichtes Laufen der Nase, bei anderen kann die Reaktion ausgeprägter sein.
Interessant ist dabei: Das Phänomen ist keineswegs so exotisch, wie sein medizinischer Name vermuten lässt. In Untersuchungen berichten zahlreiche Menschen über eine laufende Nase im Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln.
Typische Symptome der gustatorischen Rhinitis
Das charakteristischste Symptom ist eine wässrig laufende Nase während oder kurz nach dem Essen.
In der klassischen Beschreibung der gustatorischen Rhinitis steht vor allem diese Rhinorrhoe – also der wässrige Nasenfluss – im Vordergrund. Anders als bei einer typischen allergischen Rhinitis müssen Symptome wie Nasenjucken oder ausgeprägte allergische Begleiterscheinungen nicht vorhanden sein.
Ein typischer Zusammenhang kann beispielsweise so aussehen:
Sie beginnen mit dem Essen einer scharfen Mahlzeit. Nach kurzer Zeit läuft die Nase deutlich. Ist der auslösende Reiz vorbei, lassen auch die Beschwerden wieder nach.
Dieser enge zeitliche Zusammenhang zwischen Essen und Nasenlaufen kann ein Hinweis auf eine gustatorische Reaktion sein. Für eine verlässliche medizinische Einordnung sollten jedoch auch andere mögliche Ursachen berücksichtigt werden.
Ist die gustatorische Rhinitis eine Lebensmittelallergie?
Diese Frage liegt nahe – schließlich treten die Beschwerden nach dem Essen auf.
Typischerweise handelt es sich bei der gustatorischen Rhinitis jedoch nicht um eine klassische Lebensmittelallergie. Sie zählt zu den nicht allergischen Rhinitisformen. Bei ihnen können Beschwerden der Nase auftreten, ohne dass die für eine klassische Allergie charakteristische systemische Sensibilisierung gegen ein Allergen nachweisbar sein muss.
Das bedeutet gleichzeitig: Nicht jede laufende Nase nach einer Mahlzeit lässt sich automatisch als gustatorische Rhinitis einordnen.
Auch andere Formen einer Rhinitis können ähnliche Beschwerden hervorrufen. Deshalb spielen die genaue Vorgeschichte, das Beschwerdemuster und mögliche Auslöser bei der medizinischen Beurteilung eine wichtige Rolle. Die aktuelle Fachliteratur betont bei nicht allergischen Rhinitisformen insbesondere die Bedeutung einer sorgfältigen Anamnese und Untersuchung sowie – je nach Situation – der Abgrenzung gegenüber allergischen Ursachen.

Was passiert dabei in der Nase?
Unsere Nase ist weit mehr als ein Organ zum Riechen.
Ihre Schleimhaut verfügt über ein dichtes Netzwerk aus Blutgefäßen, Drüsen und Nervenfasern. Dadurch kann sie sehr schnell auf unterschiedliche äußere Reize reagieren.
Bei der gustatorischen Rhinitis scheint diese nervale Steuerung besonders wichtig zu sein. Geschmacks- und Schärfereize können sensible Nerven aktivieren. Über Reflexmechanismen wird anschließend die Sekretion der Nasendrüsen verstärkt.
Was im Alltag wie ein kurioses „Eigenleben“ der Nase wirkt, ist damit eigentlich ein gutes Beispiel dafür, wie eng Geschmack, sensible Nerven und Nasenschleimhaut miteinander verbunden sind.
Warum betrifft es nicht jeden Menschen gleich?
Nicht jeder bekommt beim gleichen Gericht eine laufende Nase.
Die Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Reizen unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Auch bei den nicht allergischen Rhinitisformen spielt die sogenannte nasale Hyperreaktivität eine Rolle: Die Nase reagiert dabei besonders empfindlich auf bestimmte unspezifische Reize.
Deshalb kann ein scharfes Gericht für eine Person völlig unproblematisch sein, während bei jemand anderem schon nach wenigen Bissen das Taschentuch zum Einsatz kommt.
Das ist zugleich ein Grund, warum die individuelle Vorgeschichte bei der ärztlichen Einschätzung wichtig ist.
Gustatorische Rhinitis oder doch eine andere Ursache?
Eine laufende Nase kann viele verschiedene Gründe haben. Neben allergischen und nicht allergischen Formen kommen beispielsweise auch infektiöse Ursachen infrage.
Bei der Einordnung einer möglichen gustatorischen Rhinitis ist deshalb besonders interessant:
Treten die Beschwerden reproduzierbar beim Essen auf? Gibt es bestimmte Lebensmittel oder Gewürze, bei denen sie besonders auffallen? Beginnt das Nasenlaufen während beziehungsweise unmittelbar nach der Mahlzeit? Bestehen Beschwerden auch unabhängig vom Essen?
Solche Informationen können bei der medizinischen Einschätzung hilfreich sein.
Die Diagnose einer nicht allergischen Rhinitis beruht nicht allein auf einem einzelnen Symptom. Andere mögliche Ursachen müssen berücksichtigt und gegebenenfalls ausgeschlossen werden.
Was kann bei häufigen Beschwerden sinnvoll sein?
Wer gelegentlich nach einer besonders scharfen Mahlzeit eine laufende Nase bemerkt, kennt möglicherweise einfach die typische Reaktion auf einen intensiven Reiz.
Treten die Beschwerden jedoch regelmäßig auf oder besteht Unsicherheit darüber, welche Ursache dahintersteckt, kann eine HNO-ärztliche Untersuchung bei der Einordnung helfen.
Dabei lässt sich beispielsweise beurteilen, ob das Beschwerdemuster zu einer nicht allergischen Rhinitis passt oder ob andere mögliche Ursachen berücksichtigt werden sollten.
Welche Behandlung im individuellen Fall infrage kommt, hängt von der Ursache und der Ausprägung der Beschwerden ab und sollte entsprechend ärztlich abgestimmt werden.

Wenn Geschmack und Nase plötzlich zusammenspielen
Die gustatorische Rhinitis ist ein interessantes Beispiel dafür, wie eng verschiedene Funktionen unseres Körpers miteinander verbunden sind.
Ein Geschmackserlebnis findet eben nicht ausschließlich auf der Zunge statt. Intensive Reize beim Essen können über unser Nervensystem auch eine deutliche Reaktion der Nasenschleimhaut auslösen.
Wenn beim nächsten scharfen Gericht also plötzlich die Nase läuft, steckt dahinter möglicherweise mehr als nur eine zufällige Begleiterscheinung.
Die Nase isst gewissermaßen ein kleines bisschen mit.
Für eine verlässliche Einschätzung bei wiederkehrenden oder unklaren Beschwerden empfehlen wir eine persönliche Untersuchung.
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